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Jan

31

Original Favorite Reparaturanleitung III

By Coffee2Cup

Da jede Original Favorite sich im Typ unterscheiden, z.b habe ich eine mit dem Typ 3 und eine 360 V Drehstrommühle besessen, bin ich immer erpicht darauf, das mich die Leute anschreiben um ihren Typ hier vorzustellen und möglichst mit einer Reparaturanleitung. Herr Winterhalter hat eine Mokkamühle und eine des größeren Bautpys. Ich habe jetzt von Herr Schwarz eine Reparaturanleitung über die OF K1A bekommen. Ich habe ihn gebeten, das er mich diese auf meine Website/Blog nehmen lässt und er hat zugestimmt.

» Bitte auf die Bilder klicken, sie vergrößern sich dann. Vielen Dank! «

Hier ist seine Anleitung zur …

Reparatur am Elektromotor einer Zwanger K1A

Einleitung
Das Baujahr dieser Kaffeemühle ist mir nicht bekannt. Ich habe sie umsonst erhalten, weil sie defekt war. Also keines dieser abgedrehten „Angebote“ über tolle Deko-Sammler-Stücke für viele Euroscheine. Immerhin schien das Gerät noch komplett zu sein, es fehlt nur der Knauf am Trichterdeckel, und der Zustand von Lackierung und Chromteilen ist noch akzeptabel. Nach dem Anschalten brummte der Motor nur sehr unangenehm, sodass ein sofortiges Ausschalten angesagt war.

01_Geraet02_Typschild
Die Lackierung ist noch recht gut, die Chromteile glänzen nicht mehr richtig, haben reichlich Rostflecken und zahlreiche Beulen. Trichter und Kaffeebehälter sind vorhanden, ebenso die zugehörigen Deckel, aber am Trichterdeckel fehlt der Knauf.

Diese Anleitung sollte zunächst bis zum Ende durchgelesen und verstanden werden. Es geht um Strom, der lebensgefährlich ist, der aber auch das Gerät bzw. den Motor komplett ruinieren kann.

Ursachenforschung
Wenn der Elektromotor nicht dreht, aber hörbar Strom bekommt, könnte er mechanisch blockiert sein. Also wurde zunächst das Mahlwerk geöffnet und gereinigt. Dazu gibt es bereits diese beiden Anleitungen Teil 1 und Teil 2, die sehr hilfreich sind.

Um eine Reinigung wird man nicht umhin kommen. Und wären die Mahlscheiben kaputt, wären weitere Arbeiten am Gerät unnötig. Es macht also Sinn, sich zunächst mit Reinigung zu beschäftigen, und auf diesem Weg auch etwas über das Gerät und seine
Funktionsweise zu lernen. Und nur eine gängige Mechanik kann schadlos von einem Motor angetrieben werden.

03_Mahlscheibe_vorn04_Mahlscheibe_innen
Die vordere Mahlscheibe auf dem Mahlscheibenträger, der sonst auf der Antriebswelle sitzt. Die innere Mahlscheibe, zugesetzt mit altem Mahlgut, und die Antriebswelle, die sich immerhin drehen lässt.

05_Schluessel Angefeilter Werkzeugschlüssel, um den Mahscheibenträger von der Welle zu lösen / kontern.

Schaltet man diese Maschine nun ein, ohne Mahlscheiben, und dreht die Welle von Hand an, startet der brummende Motor durch – na immerhin. Also wurde alles schön gereinigt, das Kugellager im Mahlscheibenträger ausgebaut und gefettet, alles zusammengebaut und das Mahlwerk kalibriert (s. o.g. Anleitungen).

Wichtige Anmerkung:
Ab hier wird es elektrisch. Ich bin kein Elektriker, man möge mir falsch angewandte Fachbegriffe, oder das Fehlen solcher, verzeihen (und gerne ergänzend kommentieren).

Diese Maschinen sind sehr alt, die innen liegenden Kabel möglicherweise porös, die Schalter möglicherweise nicht korrekt (ab-)schaltend –

ElektroSign
es kann also überall jederzeit unerwartet Strom anliegen und Lebensgefahr bestehen !!!

Ein funktionierendes Mess- oder Stromprüfgerät ist zwingend erforderlich. Wer sich daran macht, an der Elektrik zu arbeiten, ist dafür selbst verantwortlich.

Autor und Betreiber der Seite übernehmen keinerlei Haftung.

Funktionsweise des Geräts beim Einschalten
Der verwendete Elektromotor braucht beim Start mehr Kraft, also mehr Strom, als im Normalbetrieb, also beim Mahlvorgang. Dazu gibt es im Gerät einen zusätzlichen Stromkreis, der nach dem Anlaufen des Motors ausgeschaltet wird. Die folgenden Bilder zeigen die dazu verbaute Mechanik.

06_Motor_hi Der „Chrom-Popo“ war mit einer zentralen Schraube an einem innen liegenden Träger verschraubt. Hinter diesem sieht man eine schwarze Trägerplatte mit der Aufschrift „Schaltmoment bei 2200 UpM“.

07_Motor_hi_re Hinten rechts: In der Mitte befindet sich ein Fliehkraftschalter an der im Motor liegenden Antriebswelle. Im Vordergrund ist ein im Betrieb stromführendes Kabel des Zusatzstromkreises.

08_Motor_hi_li Hinten links: Aus dem Fliehkraftschalter ragt ein Stift heraus, der Auslöser. Dieser drückt auf eine Kontaktwippe, die von Federn unter Spannung gehalten wird.

09_Schaltung Hier wurde die Trägerplatte abgeschraubt. Wenn der Auslöser also auf die Kontaktwippe drückt, wird der Zusatzstromkreis geschlossen.

10_Ausloeser Der Stromkreis führt von rechts nach links durch die Wippe, und kann durch den Auslöser durch Druck geschlossen werden. Dadurch spannen sich die beiden Federn, die den Kontakt trennen, wenn der Auslöser keinen Druck auf die Wippe ausübt.

Wenn der Motor eingeschaltet wird, bekommt er Strom von zwei Stromkreisen. Dann dreht sich die Antriebswelle und durch Fliehkraft wird der Auslöser in das braune Gehäuse des Fliehkraftschalters gezogen. Dadurch wird der Kontakt des Zusatzstromkreises unterbrochen, da er nach dem Anlaufen nicht mehr benötigt wird. Schaltet man die Maschine aus, tritt der Auslöser wieder aus dem Gehäuse, drückt auf die Wippe und schließt damit den Kontakt zur Vorbereitung des nächsten Starts.

Problem und Lösung
Der vorgefundene Zustand war, dass der Motor brummt und nur von Hand, durch eine leichte Drehung der Welle, in Gang gebracht werden kann. Es fehlt also am notwendigen Zusatzstrom. Da aber Strom am entsprechenden Kontakt anliegt, funktioniert die Schaltung des Kontakts nicht.

Das ließ sich auch leicht, im zusammengebauten Zustand, durch Druck mit einem isolierten Schraubenzieher auf die Wippe nachvollziehen. Dann wurde der Kontakt geschlossen, und auch durch den Auslöser geschlossen gehalten.

Das Problem ist also, dass der Auslöser beim Ausschalten nicht weit genug heraustritt, um auf die Wippe zu drücken. Entweder ist er zu schwach, oder an der Spitze etwas abgenutzt (ist ja nur altes Plastik). Den Schalter selbst habe ich lieber nicht aufgeschraubt, weil ich nicht weiß, was mir da entgegenkommt.

Der erste Versuch war, auf die Spitze des Auslösers ein Stückchen Isolierband zu kleben. Das funktionierte aber nur kurz. Durch die Fliehkraft löst es sich schnell. Außerdem war es bereits zu dick. Das führte dazu, dass der Zusatzstrom nicht schnell genug abgeschaltet wurde, und umgehend die Motorsicherung rausflog. Diese Kontaktwippe ist wirklich ein sehr fein reagierendes Stück Mechanik – und anscheinend muss das so sein. Es sei darauf hingewiesen, dass wenn die Motorsicherung nicht funktionieren würde, an diesem Punkt auch der Motor durchbrennen kann!

11_Loesung Das ist die in diesem Fall hinreichende Lösung. Der Alublock in der Mitte ist auf der Trägerplatte mit einer zentralen Schraube von hinten befestigt. Die Schraube wurde etwas gelöst. Dann wurde ein Stück dickeres Papier unter den Block geschoben und die Schraube wieder angezogen (und mit einem Cutter das überstehende Papier entfernt).

Durch das untergelegte Papier verringert sich der Abstand zwischen Auslöser und Wippe in einem Maße, dass beim Abschalten des Geräts der Auslöser gerade so weit auf die Wippe drückt, dass diese den Kontakt schließt und geschlossen hält.

Weiteres Problem: der Ein-/ Ausschalter
Nachdem die Maschine nun prima läuft, stellte ich fest, dass der Hauptschalter einen Wackelkontakt haben muss. Auch das konnte ich beheben. Aber: dazu musste ich den Schalter auseinander bauen …. und deshalb die Warnung: der Schalter besteht aus ca. 20 Einzelteilchen, die von zwei Federn unter Spannung gehalten werden, und die sich plötzlich in alle Himmelrichtungen verteilen, wenn man den Schalter aufschraubt. Dann hat man das Problem, die Teile wiederzufinden, ihren korrekten Zusammenbau auszutüfteln und sie schließlich wieder gegen die Federspannung zusammen zusetzen.

12_Hauptschalter Im geöffneten Standfuß sieht man den zweigeteilten Hauptschalter für die zwei Stromkreise. Da wenig Platz ist, sollte man den Schalter ausbauen. Dazu ist außen eine Rändelschraube, innen eine Mutter gekontert. Unbedingt sind die Kabel vor dem Lösen zu markieren, damit am Ende der Strom wieder da lang fließen kann, wo er es soll.


13_Hauptschalter_Z_O
Weitere Fotos zum Schalter habe ich (völlig genervt) nicht gemacht. Im Anhang befindet sich die Explosionszeichnung (im wahrsten Sinne).

Der Schalter besteht aus einer metallenen Einfassung. Innen befinden sich zwei Blöcke aus Bakelit, an denen sich je zwei Kontakte befinden. Die beiden Blöcke sind durch eine Platte getrennt, die auf beiden Seiten insgesamt vier Abstandhalter hat. Das ganze wird fixiert durch zwei Schrauben die von rechts nach links, oben und unten, den ganzen Block zusammenhalten.

In so einem Bakelitblock (beide sind gleich aufgebaut) befindet sich hinten eine kleine Metallwalze, die nach oben an die Kontakte geschoben wird, wenn man den Schalthebel von außen bewegt. Diese Walze wird durch ein isoliertes Gegenstück an das hintere Bakelit gedrückt. Das Gegenstück hat vier Metallstifte. Diese zwei Isolatoren sind miteinander durch ein Blechstück verbunden. Auf die Metallstifte wird eine kleine Feder aufgesetzt und abschließend eine kleine Metallplatte, welche die Feder zusammendrücken kann. Diese Metallplatte wird durch den außen liegenden Schalthebel in den vier Metallstiften gehalten.


14_Hauptschalter_Z_S
Muss man das Ganze zusammenbauen, bereitet man zuerst die Federn vor.

Sie werden mit zwei Drähten zusammengedrückt. Dann nimmt man Zwirn und bindet die Federn fest zusammen, sodass man die Drähte wieder entfernen kann. Hat man am Ende den Schalter wieder verschraubt, kann man den Zwirn mit einem Cutter und einer Pinzette aus den Federn zupfen.
Es empfiehlt sich, zunächst die untere Schraube einzuführen und die Bakelitblöcke und die Trennteile aufzureihen. Zieht man die Schraube noch nicht zu fest, kann man das alles als Block nach außen schwenken und ganz gut in der Hand halten. Aber vorher mal die Abstandsringe anschauen – die sind wohl handgefertigt und unterschiedlich dick. Man hat am Ende ein Problem, wenn man die beiden dicksten Exemplare mit der oberen Schraube fixieren will, denn da reicht dann der Platz nicht.


15_Hauptschalter_Z_D
Bei den Kleinteilen beginnt man mit den hantelartigen Kontaktwalzen.
Die haben eine flache Führungsschiene in den Bakelitblöcken. Dann setzt man die Isolatoren auf, die beide mit einem Blech verbunden sind. Dann folgen die verzwirnten Federn und die beiden Abschlussbleche. Das balanciert man nun so aus, dass man mit dem Schalthebel zwischen die Metallstifte auf die Abschlussbleche drückt …. und klappt vorsichtig den Schalterblock zusammen. Den kann man nun mit der oberen Schraube schließen, dabei die Abstandsringe nicht vergessen.

Und sicher, das Puzzle fällt einem x-mal auseinander.

Schlussbemerkung
Diese Anleitung soll den Benutzern dieser Kaffeemühlen helfen, ihre liebgewonnenen Schätzchen zu erhalten.

Diese Anleitung ist nicht dazu gedacht, Antiquitätenhändlern oder privaten Verkäufern ihr Geschäft zu erleichtern, die bestenfalls als Ersatzteilträger geeigneten Rosthaufen hochpreisig anzubieten, weil es ja so viele gute Anleitungen im Internet zur Reparatur gäbe.

Repariert selber – und stellt Beschreibungen zur Verfügung!

Jochen Schwarz


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